Re: Mauricio Rosencof - Die Briefe, die nicht ankamen - Neuausgabe
2x cc zur weiteren info On Thu, Jul 23, 2026 at 10:53 AM <hamburg@assoziation-a.de> wrote:
Liebe Freund*innen und Kolleg*innen,
mit der Neuausgabe dieses vielleicht wichtigsten und meistübersetzten Werks unseres langjährigen Autors und Freundes Mauricio Rosencof, der im Juni 93 Jahre alt geworden ist, erfüllen wir uns ein Herzensanliegen:
Mauricio Rosencof Die Briefe, die nicht ankamen Aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen ISBN 978-3-86241-516-8 128 Seiten, Hardcover, 18 Euro https://www.assoziation-a.de/buch/die-briefe-die-nicht-ankamen/ Bestellung von Rezensionsexemplaren über: hamburg@assoziation-a.de
Mauricio Rosencof, der während der Militärdiktatur in Uruguay von 1972–85 als politischer Gefangener inhaftiert war, sucht mit diesem Roman das Gespräch mit seinen verstorbenen Eltern.
Der Vater, von Beruf Schneider, war Anfang der 1930er-Jahre als Emigrant nach Lateinamerika gekommen. Ein Jahr später folgten die Mutter Rosa und der ältere Bruder León. Aus Europa treffen Nachrichten vom Spanischen Bürgerkrieg, dann vom Einmarsch der Deutschen in Polen und der Entfesselung des Zweiten Weltkriegs ein. Irgendwann bleiben die Briefe der zurückgebliebenen Verwandten aus. Auf einer fiktiven Ebene schreibt Mauricio sie für den Vater, die Mutter, für sich, für alle weiter.
In beklemmender Weise treten so die Ghettoisierung der jüdischen Einwohner von Bełżyce, einer Kleinstadt in der Nähe von Lublin, ihr Leid und ihre Deportation in die Vernichtungslager vor unsere Augen. Später besucht der Autor Auschwitz und das Denkmal des Warschauer Ghettoaufstands. »Da habe ich zwei Steine aufgenommen, Vater, zwei Felsbröckchen, und für dich, für mich, für Mama, für alle, Vater, habe ich sie auf einer der Stufen niedergelegt und gedacht, jeder Schritt, jeder Stein, jeder Widerstand, Vater, war und ist für immer.«
»Die Briefe, die nicht ankamen«, 2004 erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht, sind der Zwillingsbruder des späteren Romans »Das Schweigen meines Vaters« (Platz 1 der Bestenliste »Weltempfänger« von Litprom, Winter 2024/25). Beide gehören zusammen und greifen in immer neuen Variationen die großen Themen des uruguayischen Autors auf: seine Erfahrungen als »Geisel des Staates« in den Kerkern der Diktatur und die Spurensuche nach den Verwandten, die von den Nazis ermordet wurden. Beide Romane setzen den polnischen Opfern der Shoah ein literarisches Denkmal und sind getragen von der Überzeugung, dass das Vergessen die vergangenen Verbrechen verewigt und nur die Erinnerung den Ermordeten eine Zuflucht bietet.
Mit herzlichen Grüßen Theo Bruns und Rainer Wendling
die mail ging mir ende juli wohl durch die digitalen finger ;-)
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Karl Dietz