Theodor Bergmann Lectures 2026: Hilfloser Antifaschismus? Strategien der Hoffnung in Zeiten rechter Formierung Samstag, 28. März 2026, 10-17 Uhr, Linkes Zentrum Lilo Herrmann, Stuttgart Die Theodor Bergmann Lectures 2026 wollen den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg gesellschaftlicher Strömungen erkunden, die mit Etiketten wie „Rechtspopulismus“, „demokratischer Faschismus“ oder „nationaler Autoritarismus“ bezeichnet werden. Der neue Konservatismus nähert sich der neuen Rechten an und erweist sich dabei als resistent gegen den moralisierenden Vorwurf des „Faschismus“. Schon 1967 hat Wolfgang Fritz Haug in seiner Analyse des „hilflosen Antifaschismus“ darauf hingewiesen, dass Autoritarismus und Rassismus nicht eine Art Unfall oder ein Einbruch der Unmenschlichkeit von außen sind, sondern Tendenzen zu- und überspitzen, die in der bürgerlichen Gesellschaft bereits wirken. Parallel zur rechten Formierung vollzieht sich derzeit ein Rückbau sozialer, demokratischer, ökologischer und gesellschaftspolitischer Errungenschaften, der kaum auf Gegenwehr stößt. Jenseits der begrifflichen Diskussion stellt sich die Frage, woran die autoritäre Rechte anknüpfen kann: Warum tragen heute so viele Menschen diese Dynamiken mit? Und wie kann ein praktischer Antifaschismus aussehen, der jenseits von moralischen Werturteilen agiert? Am 23. März 2026 wird Wolfgang Fritz Haug 90 Jahre alt. Wir wollen mit ihm und anderen Expert*innen aus Wissenschaft und Publizistik über den Vormarsch von rechts und vorhandene Gegenstrategien diskutieren. Nach einer Analyse von Formierung und Erfolg der radikalen Rechten entlang der Konzepte „Faschisierung“ und „autoritärer Kapitalismus“ diskutieren die Referent*innen wirkungsvolle antifaschistische Strategien. 09:30 Uhr | Einlass - Kaffee & Brezeln 10:00 Uhr | Begrüßung und Einführung – Erhard Korn (Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg) und Bernd Riexinger (Rosa-Luxemburg-Stiftung) 10:15 Uhr | Erhard Korn: Wolf Haug. Eine Würdigung 10:30 Uhr | Wolfgang Fritz Haug: Faschisierung des Subjekts Der Vortrag fragt, wie Individuen zu Trägern der autoritären Mobilisierung werden können. Dabei untersucht er die in der kapitalistischen Ökonomie angelegte Unterscheidung von Höher- und Minderwertigkeit, von Aufstieg/Auslese und nicht verwertbarer Asozialität. Wie trägt diese „Wertigkeit“ zur Rechtfertigung von Herrschaft, wie zur „Konstituierung und Mobilisierung von Menschen“ bei, die nicht nur Instrumente einer von Eliten betriebenen autoritären Wende sind, sondern ihre Subjekte? 11:30 Uhr | Jan Rehmann: Faschisierungstendenzen in den USA Ob es angemessen ist, die zweite Trump-Amtszeit als „Faschismus“ oder „Faschisierung“ zu verstehen, ist in der Literatur umstritten. Mit Bezug auf klassische Faschismustheorien soll versucht werden, Ähnlichkeiten und Unterschiede zu identifizieren. Wie funktioniert die Verbindung zwischen Big-Tech-Libertarismus und Rechts-Populismus und wo liegen die Widersprüche? Welche Rolle spielen die Philosophien des Akzelerationismus und des Posthumanismus? Warum wird die Macht zur Lüge und zum Hass als eine Befreiung erlebt? 12:30 Uhr | Mittagessen 13:30 Uhr | Frank Deppe: Autoritärer Kapitalismus Demokratische Politikgestaltung scheint in den USA wie in Europa zunehmend im Rückzug und droht durch neue Formen autoritärer Herrschaft ersetzt zu werden, die sich noch im Rahmen der Verfassung bewegen, diese aber zur Sicherung nationaler Wettbewerbsfähigkeit zunehmend repressiv ausdeuten. Welche Rolle spielt hierfür der Aufschwung der politischen Rechten in den Kapitalmetropolen des Westens? 14:30 Uhr | Sebastian Friedrich: Radikalisiert, melonisiert, integriert? Die AfD im autoritären Kapitalismus – Konsequenzen für einen substanziellen Antifaschismus Die AfD bildet derzeit das organisatorische Zentrum einer rechtsradikalen Formierung. Nach aktuellem Stand verfolgt sie jedoch kein eigenständiges Hegemonieprojekt, sondern besitzt vielmehr das Potenzial, den rechten Flügel eines autoritären Kapitalismus zu bilden. Teile des politischen Establishments ebenso wie einzelne Akteure der Kapital-Seite spekulieren auf eine partielle Anpassung der AfD. Entsprechende Tendenzen einer „Melonisierung“ lassen sich jenseits der großen Schlagzeilen bereits innerhalb der Partei beobachten. Der Vortrag geht der Frage nach, woher die gegenwärtige autoritäre Formierung rührt, welche Rolle die AfD darin einnimmt und vor welchen Herausforderungen die Gegenkräfte eines autoritären Kapitalismus stehen. 15:30 Uhr | Kaffeepause 15:45 – 17:00 Uhr | Podiumsdiskussion: Strategien der Hoffnung jenseits eines „hilflosen Antifaschismus“ Mit einem Beitrag von Anna Mehlis: Lernen, organisieren, kämpfen für den Sozialismus von unten Referent*innen: - Frank Deppe ist Professor em. für Politikwissenschaft. Zuletzt erschien von ihm „Zeitenwenden? Der ,neue‘ und der ,alte‘ Kalte Krieg“ (VSA, 2023). Als Schüler von Wolfgang Abendroth ist er einer der prominentesten Vertreter der Marburger Schule in der Politikwissenschaft. - Wolfgang F. Haug, geboren am 23. März 1936 in Esslingen am Neckar, marxistischer Philosoph und Verleger. Studierte Philosophie, Romanistik und Religionswissenschaft in Tübingen, Montpellier, Berlin und Perugia, prägte u. a. den Begriff der Warenästhetik und gründete 1959 den Argument Verlag. Von 1979 bis 2001 war er Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin, wo er die berühmt gewordenen ›¬Kapitalkurse‹ abhielt. W. F. Haug ist bis heute Herausgeber der Zeitschrift Das Argument und des Historisch-kritischen ¬Wörterbuchs des Marxismus, seit 2001 wissenschaftlicher Leiter des 1996 gegründeten Berliner Instituts für kritische Theorie (InkriT) e. V., Mitglied der Partei Die Linke, der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften und im wissenschaftlichen Beirat von attac. - Sebastian Friedrich ist freier Journalist und Autor aus Hamburg (u.a. Panorama, DLF, Der Freitag, überrechts.de <http://xn--berrechts-p9a.de>). - Anna Mehlis arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Jena mit den Schwerpunkten Arbeits- und Wirtschaftssoziologie. Sie ist Mitherausgeberin und -autorin von „Sozialismus von unten? Emanzipatorische Ansätze für das 21. Jahrhundert“ (VSA 2025). - Jan Rehmann, Visiting Professor for Critical Theory and Social Analysis am Union Theological Seminary (New York) und Privatdozent an der FU-Berlin. Er ist Redakteur des Historisch-Kritischen Wőrterbuchs des Marxismus (HKWM) und Autor u.a. von Postmoderner Linksnietzscheanismus. Deleuze und Foucault – eine Dekonstruktion (Mangroven 2021). Organisatorisches Die Zahl der Teilnehmenden ist aus Platzgründen beschränkt. Daher bitten wir um verbindliche Anmeldung unter gf@rosalux-bw.org oder unter obigem Anmeldelink: https://bw.rosalux.de/.../hilfloser-antifaschismus.... Für Getränke, Snacks und Mittagessen bitten wir um eine Kostenbeteiligung in Höhe von 10 Euro. Anfahrt mit ÖPNV: U1, U14 oder Bus 42 bis Haltestelle Erwin Schöttle Platz, direkt an der Bahnlinie Richtung Bihlplatz oder S-Bahn bis Schwabstraße, dann Bus 42 bis Erwin Schöttle Platz. Die Theodor Bergmann Lectures Mit den jährlichen „Theodor Bergmann-Lectures“ erinnern wir an unseren im Juni 2017 in Stuttgart verstorbenen Genossen und Wissenschaftler und unseren Ehrenvorsitzenden Theodor Bergmann. Die Lectures richten sich an einen Personenkreis, der an vertiefter Diskussion linker Zukunftsperspektiven interessiert ist, insbesondere an all jene Menschen, die frisch in linken Zusammenhängen aktiv geworden sind, in Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, aber auch in Parteistrukturen und Vorständen. ab hier die infos aus 2020 On Fri, Apr 17, 2020
- *10:00 Uhr | Begrüßung durch Erhard Korn (Vorstitzender der RLS Ba-Wü)* - *10:15 Uhr | **«Engels' Naturdialektik-Projekt im Lichte der ökosozialistischen Herausforderung» mit Prof. Wolfgang Fritz Haug* Es fügt sich, dass das Engels-200-Jahr mit neuer Aktualität des Naturdialektik-Komplexes zusammentrifft. Aus diesem Anlass gilt es, einige Blicke zurück auf Geschichte und Rezeption dieses unvollendeten Projektes von Engels zu werfen und mit den aktuell diskutierten Grundfragen ökologischer Theorie im Anschluss an Marx und Engels die Beziehung zu setzen. Hintergrund bilden die Forschungen im Zusammenhang mit der Abfassung des Artikels «Naturdialektik» für Bd. 9/II («Mitleid» bis «Nazismus») des Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus. - *11:15 Uhr | **«Klimawandel und internationale Politik - Globales Problem, ungleiche nationale Betroffenheit, ungleiche Reaktionen» mit * *Prof. **John P. Neelsen* Der Soziologe John P. Neelsen beleuchtet in seinem Beitrag die Auswirkungen des Klimawandels auf die Staaten des globalen Nordens bzw. Südens: Trugen langjährige Trockenheit und Ernährungsunsicherheit zum arabischer Frühling bei, lösten Benzinpreiserhöhungen die Bewegung der Gelbwesten in Frankreich aus. International droht zwischen Äthiopien und Ägypten ein erster Krieg um Wasser. Zunehmender Wassermangel gefährden existentiell Stromerzeugung und Bewässerung. Der jüngste «Global Risk Report» des Weltwirtschaftsforums listet Klimawandel und Umweltdegradierung als wichtigste, wirtschaftliche Entwicklung, soziale Kohäsion und politische Stabilität bedrohende Faktoren auf. John Neelsen macht deutlich, wie die «Menschheitsaufgabe» (Merkel) Klimawandel zunehmend Nationalinteressen untergeordnet wird und Grundsatzfragen von Entwicklung und Marktwirtschaft unter dem Druck des globalen Nordens marginalisiert werden. - *12:15 Uhr | **«Fridays for Future – Innenansicht einer Protestbewegung» mit Markus Moskau* Mit Fridays for future ist 2019 eine beeindruckende globale Klimabewegung entstanden, deren Protagonist*innen viele junge Menschen, Schüler*innen und viele Frauen sind. Unter dem Dach und dem Symbol von FFF haben aber auch Wissenschaftler*innen, Studierende eine Ausdrucksform gefunden. Fridays for Future und die neuen Welle von Klimaprotesten haben erfolgreich den öffentlichen Diskurs geprägt und Druck auf Politik und Wirtschaft erzeugt. Markus Moskau, führender Aktivist von FFF in Ludwigsburg und aktiv in der Partei DIE LINKE berichtet über die Organisationsform und Debatten innerhalb von FFF. Besondere Beachtung finden dabei auch die Frage, wie die Akteure das Verhältnis von Ökologie und sozialer Frage reflektieren und was dies für LINKE Politik bedeuten könnte. - *14:00 Uhr | **«Mobilitätswende – ein zentrales sozial-ökologisches Konfliktfeld» mit Mario Candeias* Der Verkehrssektor ist einer der größten Emittenten von Treibhausgasen. Gleichzeitig ist das Mobilitätssystem mit der Dominanz des privaten PKW aufs engste mit einer deutschen Leitindustrie verwoben, was sich in Stadtplanung, Besteuerung, Subventionen und anderen Formen der politischen Steuerung niederschlägt. Steigende Zahlen von PKW mit immer höherem Gewicht und PS-Zahlen, Schadstoffbelastung und Staus in den Städten auf der einen Seite und ausgedünnte Infrastruktur des ÖV zeigen eine Dysfunktionalität der heutigen Mobilität, die radikal gewandelt werden muss. Zugleich stellt der nötige Umbau der Automobilwirtschaft eine Herausforderung mit Hinblick auf den sozial gerechten Übergang dar. All dies macht die Mobilitätswende für Mario Candeias, Leiter des Instituts für Gesellschaftsanalyse bei der RLS zu einem zentralen sozial-ökologischem Transformationskonflikt. - *15:00 Uhr | **«Der Aktionsplan Klimagerechtigkeit der Linksfraktion als linke Antwort auf die sozial-ökologische Krise» mit Sabine Leidig* Im «Aktionsplan Klimagerechtigkeit», einem aktuellen programmatischen Text der Bundestagsfraktion der Partei DIE LINKE, verdichtet sich die Diskussion zu konkreten Forderungen und Maßnahmen einer linken Klimapolitik. MdB Sabine Leidig, eine der Verfasserinnen des Aktionsplans, stellt die programmatischen Eckpunkte vor und beleuchtet wie eine linke Klimapolitik soziale und ökologische Probleme gemeinsam lösen will. - *16:00 Uhr |** «Klimakrise, Kapitalismus und die kommenden Aufagben der Linken» Abschließende Diskussion mit allen Referent*innen* Die künftigen Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten der Linken angesichts der Klimakrise und sollen in der abschließenden moderierten Diskussion weiter erörtert werden.
*Referent*innen*
*Mario Candeias:* Dr. rer. pol., Politikwissenschaftler und Ökonom, Referent für Kapitalismuskritik und Gesellschaftsanalyse und Direktor des Instituts für Gesellschaftsanalyse der RLS. *Prof. Wolfgang Fritz Haug:* Philosoph, Esslingen. Herausgeber des «Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus» und der Zeitschrift «Das Argument». *Sabine Leidig:* Gewerkschafterin im DGB-Baden-Württemberg, ehem. Geschäftsführerin bei Attac, seit 2009 MdB für DIE LINKE und aktuell Mitglied im Verkehrsausschuss mit dem Schwerpunkt Bahn. *Markus Moskau:* Aktivist bei Fridys for Future in Ludwigsburg *Prof. John P. Neelsen:* Soziologe, Tübingen/Metz. Forschungsschwerpunkte: Politische Ökonomie, Globalisierung, Nord-Süd-Beziehungen, Südostasien; Vertrauensdozent der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
in erinnerung an theo noch diese zeilen
On Sat, Mar 7, 2020
28.06.2020, 10:00 - 17:00 Uhr
Im Gedenken an unseren am 12. Juni 2017 verstorbenen Freund und Mitstreiter Theodor Bergmann und zu seinen Ehren richtet die Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg jährlich im zeitlichen Umfeld seines Todestages eine wissenschaftlich-politische Tagung unter dem Titel Theodor Bergmann Lectures aus. Theodor Bergmann war Professor für Agrarwissenschaft an der Universität Hohenheim, zeitlebens kritischer Kommunist, Gründungsmitglied der PDS in Baden-Württemberg und Ehrenmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg. Als jemand, der vor den Nazis flüchten und im Exil in Palästina, der Tschechoslowakischen Republik und in Schweden leben musste, ehe er 1946 wieder ins befreite Deutschland zurückkehren konnte, war er zeilebens ein entschiedener Kämpfer gegen alte und neue Nazis. Und er war, als kritischer Kommunist, und ehemaliges Mitglied der antistalinistischen KPO (Kommunistische Partei-Opposition), zeitlebens ein entschiedener Kämpfer gegen alle Formen des Stalinismus in der Arbeiterbewegung und für die Rehabilitierung der Opfer des Stalin-Terrors. Theodor Bergmann war bis zum Ende seines Lebens Optimist, schrieb, arbeitete und glaubte an einen demokratischen Sozialismus, in dem die «freie Entfaltung des Einzelnen die Bedingung der freien Entfaltung aller ist» getreu seinem Lebensmotto «Dann fangen wir von vorne an!».
2020 beschäftigen sich die Theodor Bergmann Lectures mit dem Verhältnis von Ökologie und Sozialismus.
Veranstaltung in Kooperation mit dem Clara-Zetkin-Haus